Kopfschütteln, das Leben ist schön!

Nach der Arbeit fahre ich mit der U13 direkt zum Rotebühlplatz. Ich bin müde, aber ich will sie sehen.
Sie? Meine Freunde.
Am Montag ist es die Freundin, die ich seit Wochen nicht mehr gesehen habe.
Am Dienstag dann der Freund, der morgen für einige Wochen nach Californien fliegt.

Die Müdigkeit? Sie ist nach einigen Minuten verschwunden.
Eigentlich ist noch so viel zu tun. Aber das kann warten.

Die Stunden, die jetzt auf der Uhr ablaufen sind wertvoll, so wertvoll.

Als der Zug an meiner Haltestelle einrollt ist es bereits 23 Uhr. Um 6 Uhr werde ich wieder aufstehen. Der erste Kaffee. Der zweite. Büro. Arbeiten bis dieser Ablauf wieder von vorn beginnt.

Am Samstag ist der Tag ebenfalls durchgetaktet.
Frühstück in unserem Lieblingscafé. Ein zufälliges Treffen auf der Straße. Mittags sind zwei Stunden für die Familie eingeplant, Kaffee und Kuchen. Dann muss ich weiter.
Im Auto bin ich gestresst, bei meiner Freundin komme ich dann mit einigen Minuten Verspätung an.
Dann: Tee, Lachen, Schokolade.
Bei unserem Gespräch schaue ich stundenlang nicht auf mein Handy.
Diese Stunden? Sie sind wertvoll. So wertvoll.

Wir gehen in verschiedene Länder, wohnen in verschiedenen Städten, arbeiten an verschiedenen Orten. Und trotzdem – finden wir irgendwie wieder zueinander. Weil wir uns die Zeit nehmen. Weil die Zeit unsere ist.

Zwischendurch erwische ich mich dabei, einen negativen Gedanken zu hegen. Dass das alles zu stressig ist, dass zu wenig Zeit für mich bleibt. Dass zu viel einfach zu viel ist.
Aber nur ganz kurz.
Denn die Zeit ist zu wertvoll, erkenne ich und wimmle den Gedanken mit einem Kopfschütteln ab.

Es ist wieder Sonntagabend: Ich bin müde, ich bin kaputt. Aber ein Lächeln macht sich breit:
Das Leben ist schön, so schön. 

Fotos: Andy Ebner

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