Eine Reise durch 2017

 

Wir sitzen zu zweit auf dem Sofa. In der Wohnung, in der ich mein 2017 verbracht habe. Transformers läuft – zum ersten Mal. Der Film fängt gerade erst an und ich kann der Handlung bereits jetzt nicht mehr ganz folgen. Ich neige meinen Kopf leicht zur linken Seite und sehe ihn an. Seine großen Augen glitzern und Optimus Prime spiegelt sich in den schwarzen Pupillen. Seine Haut ist weich und der Bart im Vergleich zu letztem Jahr um einiges länger.

Letztes Jahr. Das hört sich bereits so weit weg an. Wenn ich an das letzte Jahr denke, erkenne ich mich selbst kaum wieder.
Ich sehe Selbstzweifel im Januar. Verzweiflung und Wut im Februar. Neid, Eifersucht. Angst, besonders Verlustangst.
Klammern und Hoffen von März bis April.

“Es wird kein gutes Jahr”, denke ich mir im Mai.

Ich verliere Menschen im Juni – einen Einzigen, um genauer zu sein. Einen von den guten. Die Vergangenheit hat bis jetzt in jedem Monat immer wieder meine Gegenwart gekreuzt. Sie will mich nicht loslassen, hat irgendwie noch eine Rechnung offen. Währenddessen verliere ich nahezu den Verstand, verliere den ohnehin schon seit 14 Jahren wackligen Boden und den Sinn, den ich noch nicht einmal gefunden habe.

Und dann, von heute auf morgen? Fasse ich den entscheidenden Entschluss.
Ich glaube daran.
An etwas das größer ist, als all das hier. Ich glaube an Jemanden. Und ich glaube an mich selbst.

Im Juli dann: Alles Neu – auf eine zauberhafte Art und Weise.
Eifersucht wird zu Vertrauen, Zweifel zu Mut und Verlustangst wird zu Dankbarkeit.
Ich lerne, dass Liebe Glück bedeutet, wenn man sie nur lässt. Dass Mauern von innen aufgezogen werden und uns einzige und allein den Weg zur Sonne versperren, die dann  im August und September am anderen Ende der Welt auf mich wartet.
Im Oktober heißt es: über Grenzen gehen, sich endlich das trauen und vor allem selbst zutrauen, was schon ewig im Hinterkopf wartet. Neue Situationen meistern, ohne dabei im Stress zu versinken. Was ich mitnehme? Dass alles nur halb so schlimm ist, wie ich im ersten Moment denke und besonders, dass es sich lohnt, den ersten Schritt zu wagen.
Erst im vorletzten Monat des Jahres werde ich an Dankbarkeit erinnert. Daran, wie wichtig gute Freundschaften und die richtigen Menschen sind.

Jetzt ist Dezember und ich denke an das Feuerwerk zurück, mit welchem dieses Jahr vor zwölf Monaten begann.
Die Momente eines jeden Monats, so zerbrechlich und vergänglich – ich atme sie ein, verinnerliche und halte sie so lange fest, wie ich nur kann. Meine Augen glitzern. Freudentränen. Das hier ist vergänglich. Und genau deshalb wertvoller als alles andere.

Und plötzlich bin ich mit meiner Reise durch die Zeit am Ende, wieder auf dem Sofa angelangt. Im Wohnzimmer neben ihm. “Du hast mein 2017 erfüllt”, denke ich. Und dann korrigiere ich mich selbst: “Du hast mir unzählige wundervolle Momente geschenkt.
Aber – mein erfülltes Jahr 2017? Das war ich. Ganz allein ich.”

 

Hoodie: The Cartwheel Project – Fotos: Andy Ebner 
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