Verschwenderisch schön

Und da liegen wir. Beide blond, beide hübsch, beide beliebt.

Das Licht der Screens leuchtet.
Ihr Körper ist perfekt. So perfekt.
Und ihrer auch.
Und ihrer auch.

Unsere Figuren, die sich unter der Bettdecke abzeichnen, erscheinen lächerlich.
Nichtig. Nicht für ein Foto geeignet. Noch nicht.

Bald ist wieder Sommer. Ein paar Tage Kalorien zählen, das wird schon gehen.
Einfach keine Kohlenhydrate essen oder einfach jeden Tag Laufen gehen.
Für den Körper? Wohl eher dagegen.
Unsere Gedanken? Wir genügen uns nicht. Sind zu dick, zu blass, zu unperfekt.

„So will ich aussehen“, Fingerzeigen. Auf andere.
Die Schokoladenkekse zwischen uns sind plötzlich unsere Feinde.

Und da liegen wir. Beide blond, beide hübsch. Eigentlich doch so hübsch. Beide so blind.

So verschwenderisch.

Beim scrollen durch die Bildergalerie stoßen wir auf diese Bilder vom letzten Jahr.

 

“Ich sehe gut aus”, denke ich heute.

Dann erinnere ich mich: Was ich in dem Moment gedacht habe, als die Linse der Kamera auf mich gerichtet war? Dass ich bestimmt zu dick aussehe. Dass mein Make Up nicht gut genug ist. Dass meine Haare nicht sitzen.
Warum? Weil wir alle beinahe dazu gezwungen werden, unsere Bilder mit solchen zu vergleichen, die uns eigentlich kein Maßstab sein sollten.
Perfekte Bilder, bearbeitet, dünne Schönheiten, trainiert, perfekte Frisuren, der perfekte Teint.
Und anhand dieser Bilder setzen wir uns perfekte Ziele – viel zu hoch, fast unerreichbar. Was uns da vorgegeben wird ist ein Maßstab, der kein Maßstab für uns sein sollte.

Überhaupt sollten wir damit aufhören unsere Schönheit zu messen.
Uns selbst ein bisschen mehr lieben, statt unsere Schönheit zu verschwenden, uns niemals gut genug zu fühlen und nie zu realisieren, dass wir eigentlich doch so wunderschön sind, wie wir genau jetzt in dieser Sekunde sind.

Ich sehe mein Gesicht, sehe die Bilder noch einmal ganz genau an.
Heute? Sehe ich die Makel nicht, über die ich mir damals Gedanken gemacht habe.
Was ich sehe sind schöne Bilder und in mir kommt der Wunsch auf, in die Vergangenheit zu reisen und zu dem Mädchen auf den Bildern zu sagen, dass sie schön ist und mit sich selbst zufrieden sein darf.

 

Fotos: Andy Ebner 

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1 thought on “Verschwenderisch schön

  1. Die Message ist so so so wichtig! Frauen denken viel zu oft, dass sie perfekt sein müssen und einem ideal entsperchen, das eigentlich unerreichbar ist. Richtig gut geschrieben! Liebe Grüße, Anna

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