Good things happen

 

Mitternacht. Ich höre die Geräusche der Heizung und langsam höre ich auf zu frieren. Eigentlich sollte ich schlafen, aber irgendetwas hält mich davon ab. Mit meinen Fingerkuppen streiche ich über seine Handinnenflächen und spüre die kleinsten Falten auf seiner Haut.
Kurz innehalten – das hier einatmen, festhalten. Diesen Moment lieben. Nur einige Augenblicke später schlafe ich ein.

Am nächsten Tag verabschiede ich mich am Flughafen mit einigen Tränen und einem mulmigen Gefühl im Magen. “Loslassen” heißt es jetzt. Für sechs Monate das loslassen, was doch eigentlich mein Zuhause ist.
Abends gehe ich alleine zum Geburtstag und genieße jeden Augenblick. Auf der Heimfahrt im Auto? Singe ich glücklich zu meinen Lieblingsliedern und als ich den Schlüssel zur Wohnungstür umdrehe und in mein gemütliches Bett hüpfe, denke ich an all das, was ich habe und verschwende keinen einzigen Gedanken an das, was außer meiner Reichweite liegt.

“Ich bin so unfassbar gesegnet.”

 

“Ich bekomme einfach nicht die Aufmerksamkeit zurück, die ich verdient habe!”, grummelt sie, ein bisschen sauer, ein bisschen traurig, in ihren Kaffeebecher. “Ich verlange doch garnichts. Nur, dass ich auch mal ein bisschen Romantik bekomme. Und ab und an mal eine Umarmung in der Öffentlichkeit. Und einen Blumenstrauß zum Valentinstag. Und, dass ich ihm wichtiger bin, als die Jungs am Freitagabend.” Sie ist verzweifelt und ihre Augen wirken verloren. In ihrem Blick sehe ich, dass sie sich fragt, ob die Worte, die gerade aus ihrem Mund kamen, überhaupt richtig sind. Ja! Natürlich. Sind sie. So sollte doch eine Beziehung sein. So, wie die im Film und so, wie die von all’ den glücklichen Paaren, die man im Leben so trifft. Sie will doch nur eine glückliche Beziehung. Das ist Alles.

Sie? Pardon. Ich. Denise. 
Ich – vor einiger Zeit. Ich – bevor ich loslassen konnte. Ich – bevor ich glücklich war.
Ich sehe die Bilder noch vor mir: Warten. Verlangen. Tadeln. Selbstmitleid. Liebe, eigentlich.
Und dann irgendwann? Loslassen.

Heute? Blumen. Umarmungen. Liebe. Glück. Pures Glück. Jeden Tag.
“Lass los”, rate ich ihr. Rate ich allen da draußen. Denn erst dann warten sie auf dich:
Die Momente, die so schön sind, dass das Glitzern in deinen Augen kaum aufhören kann.

Ja, es ist möglich: Dass sich alles ändert – zum Guten. Dass die Welt um dich rum rosa ist und rosa bleibt. Bunt – nicht schwarz weiss. Dass du bestimmst, wie wundervoll dein Leben ist und dass du Liebe findest, die größer ist, als alles, was jemals in deinen Kopf passen wird.

 

Fotos: Andy Ebner

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2 thoughts on “Good things happen

  1. Mir gefällt deine art zu schreiben! In der mitte wechselt die perspektive von “ich” zu “sie” und ich habe mich dann gefragt, was das eigentlich soll? War bischen verwirrt beim lesen. aber ich glaube zu verstehen warUm du den sprung gemacht hast. wäre cool wenn du mir das bei der arbeit erklärst 😉

    1. Um dir das kurz hier zu erklären: Ich baue meine Posts meist so auf, dass ich im ersten Absatz eine kleine Story erzähle und dann ein Cut kommt, nach welchem dann entweder eine andere passende Story steht, oder die “Konklusion” des Ganzen. In diesem Fall war es mir wichtig, den Gegensatz aufzuzeigen und von dem glücklichen “Ich” zum unglücklichen “Sie” zu wechseln, um dann den Twist schreiben zu können, dass ich mit “Sie” eigentlich auch von mir selbst und meinen Erfahrungen spreche. Was bedeuten soll, dass ich, obwohl ich früher gezweifelt habe und in bestimmten Situationen nicht “loslassen” konnte, heute an den Punkt gekommen bin, wo dies nicht mehr der Fall ist und ich alles loslassen kann und dies mir Glück bringt. 🙂

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