Mean Girls: Was ich mir heute sagen kann

 

You can’t sit with us!
Und wenn es ihre Münder nicht formen, dass sagen es ihre Gesichter.
Der Film “Mean Girls” ist mittlerweile wohl eher ein Oldie, doch das Phänomen der Girls Clique besteht.
Und wenn du 19 Jahre alt bist, an eine neue Schule oder Universität kommst, dann willst du dazugehören. Du willst Anschluss finden, dich austauschen, Tratsch mitbekommen. Eingeladen werden. Nicht die sein, die alleine sitzt.
Wenn du am ersten Tag noch nicht die Freunde fürs Leben gefunden hast? Dann wirst du wohl zum Außenseiter.

Bullshit.

Ich bin jetzt 22 Jahre alt und langsam aber sicher fallen mir immer mehr Dinge ein, die ich gerne zu meinem “jüngeren Ich” sagen würde. Wie gerne würde ich manchmal zurückgehen, mir selbst den Mund zukleben, um Worte ungesagt zu machen oder mir den Kopf mehrmals ordentlich durchzuschütteln.
“Denise, später wirst du das alles anders sehen.”, höre ich mein heutiges Ich tadeln.
Oh ja – ich hätte mir jetzt so einiges zu sagen:

“Du bist schön so wie du bist.
Die Schuhe sind cool – auch wenn eine Person das nicht so sieht – lass dich nicht verunsichern.
Du bist klug genug, witzig genug. Mehr als genug.
Du musst nicht dazugehören, nur um dazuzugehören.
Du musst dich nicht schlecht fühlen, wenn du Dinge nicht so siehst, wie Andere es eben tun.
Deine Eltern sind toll, nicht peinlich. Und die Zeit mit deiner Familie zählt mehr, als irgendein Abendessen mit “Freunden”, die dich im Regen stehen lassen werden.
Hör bitte auf zu zweifeln – du wirst geliebt.”

 

Ich weiß, dass es schwer ist. Nicht zu sehr darauf zu achten, was die anderen denken werden. Es fällt mir schwer, überhaupt jemals mit dem Überdenken aufzuhören.
Und klar: noch immer kratzt es an meiner Seele, wenn ich nicht zum Brunch eingeladen werde oder die WhatsApp Gruppe plötzlich neu gegründet wurde – ganz ohne meinen Kontakt.
Wo liegt bloß der Fehler – bei mir? “Ja, natürlich.”, sagt mein Kopf. Damals und manchmal auch heute noch.

Denn auch jetzt stehe ich ab und an da und diese Welt frustriert mich: jeder hier, der macht, was ihm gerade in den Kram passt. Der nur an sich denkt, der sich selbst in den Mittelpunkt drängen muss. Der nie genug bekommt, niemals allein sein kann und Freunde benutzt, als hätten sie eine An- und Austaste.

Und ganz plötzlich bin ich auch frustriert, weil ich nicht so bin. Weil ich nicht sofort “Ich!” schreie, wenn es um das schönste und größte Stück Kuchen geht. Weil ich leise bin, wenn wir alle am Tisch sitzen und Meinungen preisgegeben werden. Weil ich oft übertönt werde, überhört oder übergangen. Versehentlich oder absichtlich.

Nur ganz kurz frustriert mich diese Welt, jeder hier, und dann? Dann ist der Moment vorbei – und ich bin dankbar: weil Ich Ich bin. 

 

Fotos: Andy Ebner 

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1 thought on “Mean Girls: Was ich mir heute sagen kann

  1. Du triffst mit deinem Text voll ins Schwarze! Ich überlege mir auch immer wieder, was ich zu einem jüngeren Ich sagen würde.. Das problem ist einfach, egal wie viele erwachsene es mir damals erzählt hätten, man glaubt es einfach nicht .. Sondern hört auf die “mean girls”

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